Der zum neunten Mal verliehene „Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover“ geht in diesem Jahr an den 1987 in Alba Iulia geborenen Autor Alexandru Bulucz. Er emigrierte mit seiner Mutter und Schwester im Jahr 2000 von Rumänien nach Deutschland und lebte in Aschaffenburg, Bad Sooden-Allendorf und Frankfurt am Main, wo er von 2008 bis 2016 Germanistik sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität studierte.
Seit 2013 veröffentlicht Bulucz regelmäßig Lyrik in Literaturzeitschriften und Anthologien. Bislang sind von ihm die Gedichtbände „Aus sein auf uns“ (2016), „was Petersilie über die Seele weiß“ (2020) und „Stundenholz“ (2024) erschienen. Seine Lyrik wurde in mehrere Sprachen übersetzt, und er wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschlandfunk-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2022.
Neben seiner Arbeit als Lyriker ist Bulucz als Herausgeber, als Übersetzer aus dem Rumänischen sowie als Publizist tätig. Bis April 2024 war er langjähriger Redakteur des Onlinemagazins „Faust-Kultur“. Seit 2017 bespricht er lyrische Neuerscheinungen für den „Büchermarkt“ des Deutschlandfunks und ist seit der Gründung des PEN Berlin im Jahr 2022 Board-Mitglied des Vereins. Er lebt und arbeitet in Berlin.
In der Begründung der Jury für den diesjährigen Preisträger heißt es:
„In seinen einerseits fragilen und zarten, andererseits kräftigen bis zornigen Gedichte drängt uns Alexandru Bulucz eine existenzielle Erfahrung auf, die nicht von den Rändern Europas herkommt, sondern aus ihrer Mitte. Er zeigt, dass die europäische Geschichte keinesfalls vergangen und damit abgeschlossen ist, sondern dass sich erlittene Verluste weder verschweigen noch verdrängen lassen. Sie bleiben tief in den Menschen lebendig. Erst Benennung und damit Akzeptanz dieser Verluste machen uns auch die Gegenwart mit ihren Problemen verständlicher.“
Die Preisverleihung findet am 14. November 2024 um 20 Uhr im Calder Saal des Sprengel Museums statt.
Die Hölty-Preisträger*innen:
- Thomas Rosenlöcher (2008)
- Paulus Böhmer (2010)
- Christian Lehnert (2012)
- Silke Scheuermann (2014)
- Christoph Meckel (2016)
- Norbert Hummelt (2018)
- Marion Poschmann (2020)
- Ulrich Koch (2022)
Zum „Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover“
Die literarische Bedeutung seines Namensgebers Hölty steht für die enge Verbindung des Preises mit Stadt und Region. Ludwig Christoph Heinrich Hölty (geboren am 21. Dezember 1748 im Kloster Mariensee bei Hannover, gestorben am 1. September 1776 in Hannover) ist von seinem künstlerischen Rang her einer der bedeutendsten deutschen Lyriker. Die Bedeutung beruht vor allem auf der Formenvielfalt, Eigenständigkeit und Stimmungs-Eindringlichkeit seiner etwa 140 Gedichte. Hölty ist neben den Brüdern Schlegel, Karl Philipp Moritz, Carl Sternheim und Kurt Schwitters der wichtigste mit der Stadt und der Region verbundene Dichter. Er verbrachte seine Kindheit und Schulzeit im Dorf Mariensee und die letzten Lebensjahre in Hannover, wo er, erst 28-jährig, 1776 starb.
Die bedeutende Auszeichnung wird an eine*n lebende*n deutschsprachige*n Lyriker*in für ein lyrisches Gesamtwerk oder eine einzelne Veröffentlichung vergeben.